Samstag, 19. Mai 2012
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Aktuelles

"one always most loves what's just been done" (Robert Creeley)

 

 

Austern

(Gedichtzyklus) ⇒ Download

 

 

In aufgelöster Gestalt

(Gedichtzyklus) ⇒ Download

 

 

PETER GIZZI: Zeilen, die simples Glück ausstrahlen

(Gedicht / Übersetzung) ⇒ Download

 

 

Craig Arnold: Wer ins Fleisch schneidet, nimmt’s...

(Essay / Nachwort) ⇒ Download

 

 

Austern

 

 

1

 

Um nichts in der Welt hättest du sie bestellt:

"Ein Einfall, ganz wie er dir ähnlich

sieht - immer das Oberste vom Menü,

 

idiotisch, selbstverliebt, maßlos überschätzt.

Stell ein gestaltloses Nichts auf den Tisch,

verleih ihm Schalen, servier es in Butter, Öl,

 

Fruchtsauce und Vinaigrette, widme ihm

eignes Besteck – schon bist du überzeugt.

Gäb es keine Zitronen, du spürtest nur Schleim."

 

 

2

 

Und doch, auf Stilleben im Fackelschein,

Willem Calf, niederländischer Meister, Liebhaber

des Schattenreichs, von Zwielicht auf totem Objekt,

 

hatte sie nicht aus Eitelkeit in der Mitte platziert.

"Wie einst die Welle, so bricht jetzt sich

an ihnen der Sonnenreflex, und wie

 

die Perle wächst wo ewige Finsternis herrscht

(solang zum Verzehr keiner die Schalen kappt),

ist das Geheimnis der Bilder unterm Firnis versteckt."

 

 

3

 

Keine Antwort darauf –

 

Welcher Fischer sie zog aus dem faulem Schlamm?

Oder: vor welcher Küste sie angespült?

Oder: welche Reuse ihr Verhängnis gebracht?

 

Kein Imbiss für gierige Zungen,

zu pikant für die christliche Liturgie,

zu erlesen und fremd für den Zeugungstrieb,

 

blieb ihnen das Geheimnis im Firnis der Staffelei,

die französische Küche, die flämische Bijouterie,

ein galanter Lederrücken im Giftschrank der Bibliothek.

 

 

4

 

Wir hatten Regen

doch kein Gefäß

ihn zu sammeln, am

Meergrund die Muschel

 

blieb ungerührt. Ein Fass

ohne Boden über sich,

ein Himmel

der sich nicht füllen lässt

 

mit Essig und Salz (denn

Tränen fallen in Furchen

und Meer), eine Sonne

Eidotter am Zenit

 

Wir hätten das alles

gespiegelt: auf der Gabel

die Tränen, die Scham

in den Tassen das Blut

 

Granatäpfel in den Gedecken,

die Flut des Regens

am Fenster, das ganze Meer

zwischen die Schalen gepresst.

 

 

5

 

Es sind die Krusten,

wie Krater die Seepocken darauf,

wie Cañons die Rillen, die Furchen

Landschaft von oben im Vogelaug,

ovale Isla incognita,

 

in Gedanken eben

noch war ich bei dir

im Gehen für einen Moment

ließen dein Gang, deine Form und dass

ich nichts von dir weiß

mich meinen Kopf nach dir verdrehn,

 

doch hinter der Tür in der Ankunft

liegt das Geheimnis, im ersten

Gedeck, im Salzhauch die Lösung,

im Innern der Schale: Nur du

 

willst nicht glauben dass auf der Zunge

der Meerschaum nach Aphroditen

und allem was Flut vor die Füße spült schmeckt

und was uns verstellt und scheu macht und einander fremd

verschwindet und klärt sich in ihrem Traumelement

 

 

 

erschienen in Anno 1900, Weimar. Eine literarisch-kulinarische Ausschweifung in 15 Gängen. Hg. von Ricarda Herbrand, Anna Horwitz, Sebastian Loy. Dresden: Edition Azur 2008, S. 16-20.



Termine & Gedrucktes

 

24.05.2012, 18 Uhr

DIE VOGELKUNDE DER POESIE

Lesung Michael Krüger (Hanser-Verleger) liest im Rahmen der Reihe "Naturwissenschaften und Technik im Kontext der Gegenwartsliteratur" aus seinen „Vogelgedichten"

 

im Anschluss

Präsentation und Erläuterung graphischer Originale von Jan Brueghel d.Ä. bis Max Beckmann durch Prof. Dr. Thomas Döring, Leiter des Kupferstichkabinetts

 

Publikumsgespräch

zum Zusammenspiel von Ornithologie, Poesie und Kunst mit der Ornithologin

Dr. Heidrun Oberg und

Thomas Döring

Moderation:

Prof. Dr. Jan Röhnert

Herzog Anton Ulrich-Museum, Museumstr. 1, 38100 Braunschweig, Eintritt: 5 Euro

 

8.–10.06.2012

AUTOBIOGRAPHIE UND KRIEG – von der Goethezeit bis Heute

Fachtagung organisiert von Jan Röhnert, Ort:Senatssaal der TU Braunschweig und Raabe-Haus

 

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BERUFUNG ZUR JUNIORPROFESSUR

 

Zum Herbst 2011 erhielt

Jan Röhnert die

Christian-Gottlob-Heyne-Juniorprofessur für Neuere und Neueste Literatur in der technisch-wissenschaftlichen Welt an der TU Braunschweig

 

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AKTUELLES BUCH

 

Notes from Sofia - Bulgarische Blätter

Jan Röhnerts neue Publikation

mit einer Erzählung, Gedichten und Notaten erschienen in der edition AZUR! mehr

 

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Jan Röhnerts Gedichte

Ein Auszug neuer Gedichte im Internet auf lyrikline.org

 

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ZULETZT ERSCHIENEN

 

Paulus-Böhmer-Essay

 

im Tagesspiegel z.B.

 

Tunesien-Impression: Ein Fährschiff namens Ulysses

 

Fabelhafte Insekten:

Jean-Henri Fabres entomologische Erinnerungen

 

Speicherstadt des Wissens

 

Die Eichelhäher von Sofia